| EXOTEN |

«Mensch, wir sind nun doch schon einige Zeit auf dem Nachhauseweg und du bist mal wieder total abwesend! Darf Hund den Grund erfahren?» will der Hund von mir wissen, während er uns sicher auf dem Weg nach Hause führt. «Ach Hund, die gute Technik macht mir mal wieder Sorgen!» entgegne ich dem Hund. «Haben wir schon wieder kein Internet und kein TV?» schiesst mir der Hund ins Wort. «Nein, nein Hund, ganz ruhig bleiben, das sollte alles funktionieren» beruhige ich den Hund. «Ach herrje du hast „SOLLTE“ gesagt, dies verursacht bei mir nun auch gleich Sorgenfalten!» stöhnt der Hund vor sich hin.  

«Ja Hund, ich weiss ja nicht was du wieder rumgebastelt hast und für die Störungen bei unserem Anbieter kann ich nun wirklich nicht verantwortlich gemacht werden!» empöre ich mich beim Hund. «Naja, darf dich an das „Bodenheizungsintermezzo“ erinnern!» kontert der Hund. «Ach nicht schon wieder diese Geschichte! Immer und immer musst du wieder Salz in die Wunden streuen!» winke ich kopfschüttelnd ab. «Die Frostbeulen sind auch eben abgeklungen, da müsste es auch dem Menschen einleuchten, dass dieses Thema bei mir noch sehr präsent ist!» knirscht mich der Hund an.  

«Frostbeulen! Pha, ja klar Hund! Glücklicherweise wurde deine Schnauze davon verschont, was bei dem unerträglichen Geklapper deiner Schnauze auch nicht wirklich verwundert!» stichle ich in die Richtung des Hundes. «Ja ja ja, schon gut jetzt Mensch! Nun aber wieder zu dir, was bedrückt den Menschen?» versucht der Hund, das Gespräch wieder auf mich zu lenken.  

«Es geht wieder einmal um die Digitalisierung welche mich beunruhigt! Natürlich profitiere ich mit meiner körperlichen Herausforderung von den tollen Neuerungen, wie Smartphone, Tablet und Co. doch geht es in gleichem Tempo oder schneller weiter, wird dies unweigerlich zum Bumerang werden!» kläre ich den Hund auf. «Das verstehe ich nun nicht ganz Mensch! Dank den tollen Gadgets kannst auch du einiges mehr erleben und umsetzen!» entgegnet der Hund fragend.  

«Ja natürlich, es ist toll, Sprachnachrichten verfassen zu können, Mails lesen und schreiben, im Internet etwas nachzuschlagen, die Siri um etwas bitten etc., aber leider funktioniert dies im beruflichen Umfeld nicht ganz so gut! Denn was bei dem Anbieter mit dem Apfel sehr gut funktioniert, ist beim Mitbewerber mit dem Fenster sehr dürftig! Über die Apfel-Firma kann man geteilter Meinung sein, aber immerhin nehmen sie die körperlich Herausgeforderten ernst. Für Seh- und Hörbehinderte findet der Anwender einige Hilfen, die uns unterstützen und somit das Leben erleichtern.  

Ganz anders sieht es aus beim Anbieter des Betriebssystems mit dem Fenster-Logo. Die scheint die Gruppe der sehbehinderten und blinden Menschen nicht zu interessieren. Denn es gibt dort einfach Nichts. Ganz im Gegenteil, die Screen Reader Hersteller werden im Regen sethen gelassen. Kleine Gruppe – kein Profit – also kein Interesse werden sich die Manager sagen!» beende ich meinen Monolog. 

«Uii da scheint ja einiges an Frust zusammengekommen zu sein! Nur mein lieber Mensch, das ist ja nichts Neues! Dies haben wir ja schon einmal abgehandelt.» sagt der Hund mit ruhiger und leiser Stimme. «Da hat mein Hund recht, nur wird es immer schlimmer! War es vor zirka einem Jahr eine Differenz von ca. 5 Jahren wird es in etwa 2 Jahren rund 10-15 Jahre sein! Jemand wie ich hat somit auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum Chancen, angestellt zu werden. Stell dir vor, wer verwaltet seine Termine heute noch im Palm, wer telefoniert noch mit seinem Nokia 3210, oder erkläre mal einem Kind, dass er die Lieblingssendung im TV verpasst hat und nicht mehr zurückgespult werden kann. Das gemachte Fotos für die Verbreitung unter Freunden zuerst auf den Laptop oder den PC geladen werden müssen und nicht bequem von seinem Smartphone aus über WhatsApp, Facebook und Co. in die Welt verteilt werden können! Ja, mein lieber Hund, genau so war es vor rund 10-15 Jahren!» beende ich meinen energischen Wortschwall.  

«Und wo kommt nun der Bumerang ins Spiel?» will der Hund von mir wissen. «Hä! Wieso Bumerang?» entgegne ich verwirrt. «Du hast gesagt, wird dies zum Bumerang!» entgegnet der Hund. «DAS ist ja offensichtlich, Hund! Die Technik wäre zwar so weit, dass sie uns nützlich und hilfreich sein könnte, nur wenn sich niemand darum bemüht, dass wir diese auch nutzen können, werden die sehbehinderten und blinden Menschen wie vor einigen Jahren sich dem Korbflechten widmen müssen!» teile ich dem Hund meine Sicht der Dinge dar.  

Der Hund schaut mich nachdenklich an und sagt dann mit ernster Miene. «Das würde ja heissen, der Korb und DU hättet eine Gemeinsamkeit! Beide sind auf Ihre Art Exoten und werden von der Gesellschaft kaum mehr eingesetzt!» 

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