„Komm mein lieber Hund. Wir besorgen uns auf dem Heimweg noch Knabbereien für den heutigen Sport-Fernseh-Abend!“ sage ich zum Hund, während ich meinen Computer runterfahre und mich auf meinen Feierabend freue. „Denk aber bitte an meine Schachteln Kirschstängeli! Denn diese sportlichen Ereignisse die im TV übertragen werden sind für mich in aller Regel sehr Nerven aufreibend!“ entgegnet mir der Hund mit ernster Miene.
„Ach, mein lieber Vierbeiner! Ich kann nicht schon wieder einen Kleinlaster mieten, nur um den benötigten Vorrat an Kirschstängeli für den heutigen Abend nach Hause zu bringen.“ Grinsend schaue ich in seine Richtung.
„Wir müssten uns überlegen, die Kosten für den Transporter den Schiedsrichtern in Rechnung zu stellen!“ sinniert der Hund noch immer mit ernster Miene.
„Mein lieber Hund, was haben nun die Unparteiischen des heutigen Spiels mit deinem unverschämten Konsum an Kirschstängeli zu tun?“ frage ich den Hund.
„Wenn ich deinen Worten lausche, muss ich nun davon ausgehen, dass du während den Spielen jeweils in den Fernsehschlaf verfällst!“ zischt mich der Hund wieder einmal an.
„Keinesfalls mein lieber Hund. Ganz im Gegenteil! Ich muss mich anstrengen, dass ich den Worten des kompetenten Moderators folgen kann. Deine klubgefärbten Kommentare sind nämlich so dermassen einseitig und laut, dass sie in meinem Ohr nachhallen!“ entgegne ich dem Hund.
„Hör mir gut zu, geschätzter Mensch! Das Wort unparteiisch bedeutet – ohne für etwas oder jemand Partei zu ergreifen. Wenn du, ach so neutraler Sportfan, nicht immer vor der Glotze einnicken würdest, dann wüsstest du was Sache ist. Dank meinen höchst kompetenten Kommentaren sollte dir klar sein, dass die gestreiften Herren diesem Begriff nicht gerecht werden.“ der Hund ist nun sichtlich in Rage.
„Ach nein!? Zieh bitte deine Fanbrille aus, Hund. Die Schiedsrichter sind bei ihrem Job nun wirklich nicht zu beneiden. Das Spiel auf dem Feld ist sehr schnell und mancher Schiri hätte nach Konsultation der TV-Bilder wohl im Nachhinein anders entschieden. Wenn du selber schon einmal versucht hättest den Job eines Schiedsrichters auszuüben, wüsstest du wie schwierig es ist, auf alle Details zu achten und fair zu entscheiden.“ kläre ich den Hund auf.
„Hör zu Mensch! Ich möchte in solchen Situationen gar nicht objektiv sein. Ausserdem habe ich die netten Herren nicht gezwungen die Pfeife zu schwingen. Ich glaube ja viel mehr, dass es diesen unheimlich viel Spass macht, alle nach ihren Pfeifen tanzen zu lassen.“ Mit hoch erhobenem Kopf und wichtiger Miene tut der Hund diese Meinung kund.
„Dann läuft neben mir also ein möglicher Aspirant auf das Amt des Schiedsrichters!“ entgegne ich dem Hund lachend. „Als dein treuer Begleiter muss ich dich darauf aufmerksam machen, dass gar niemand neben uns läuft.“ Will mich der Hund aufklären. „Das weiss ich natürlich, Hund. Ich meine ja auch dich! Denn auch du geniesst es immer ausserordentlich, wenn alles nach deiner Pfeife tanzt!“ Ich lache leise.
„Soso, dann möchte ich den Herrn daran erinnern, dass es nichts bringt mit dem Unparteiischen zu diskutieren. Ansonsten muss dieser nämlich Sanktionen ergreifen. In deinem speziellen Falle würde die Strafe meine Verweigerung des Dienstes bedeuten.“ droht der Hund mit einem fiesen Grinsen.
„Ist ja wieder mal typisch, als Zuschauer wisst ihr immer alles Besser. Versucht euch einen Weg zum Schiedsrichter zu bahnen, um diesem lauthals die Meinung mitzuteilen. Kaum seid ihr sie aber selber in der Rolle des Unparteiischen, spielt ihr eure Macht gnadenlos aus.“ Ich schüttle lachend den Kopf, packe die Leine und Seite an Seite machen wir uns auf den Weg in den Feierabend.